Schmuck ist für Gisela Carius mehr als ein ephemeres Accessoire. Sie stellt tradierte Normen des Schmucks in Frage und versucht, Schmuck im Kontext soziokultureller Bezüge neu zu definieren. Kann Schmuck als Kunst gelten? Und wenn ja: Welche Verantwortung kommt der Kunst zu in einer Welt, die zunehmend durch die Ideologie eines grenzenlosen Wachstums in Gefahr gerät? Im Spannungsfeld solcher Fragen findet die Schmuckkünstlerin ihre eigene Position: die Arbeit mit einem Gestaltungskonzept, das dem zu gestaltenden Objekt eine konnotative Qualität verleiht. Ihre in Lissabon entstandenen Artefakte sind zum Teil abstrakte Zeichen. Sie sind in ihrer ästhetischen und semantischen Dimension verschiedenartig interpretierbar. Die Broschen „Guincho“ wirken wie kleine, sphärenartige Architekturen und sind tragbare Kleinskulpturen. Sie inspirieren durch ihre klassische und klare Ästhetik, die auf einer geometrischen, räumlichen Struktur basiert und durch handwerkliche Präzision besticht. Mit der Broschen-Serie „Fahrenheit“ als Arm-Zeichen gelang Gisela Carius die Verwirklichung eines herausfordernden Konzepts. Es bietet Anlass zu vielfältigen Assoziationen und repräsentiert eine entschiedene Positionierung für die Säkularisierung von Schmuck. Gisela Carius, geboren 1943 in Mainz, studierte von 1968 bis 1971 Kunstpädagogik und Vorschulerziehung an der Pädagogischen Hochschule Berlin. 1973 absolvierte sie eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin in La Antilla, Spanien. Von 1985 bis 1989 studierte sie Schmuckgestaltung in Lissabon an der AR. CO Centro de Arte e Comunicação Visual - Escola de arte independente. 1989 bis 1991 folgte eine weitere Ausbildung zur Goldschmiedin in der Escola de Joalharia Contacto Directo, Lissabon. 1987 gründete sie ihr Atelier in Cascais. 1992 zog sie nach Wiesbaden und dann nach Vechta, wo sie ihr Atelier weiterführte.
Galaxus.de