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Pommes stilvoll auftischen - DRITTER STREICH

 

In den letzten beiden Ratgebern wie man die besten Pommes der Welt herstellt habe ich alles gegeben. Alles gezeigt. Jetzt sind die Pommes fertig. Warten nur noch darauf von gierigen Mäulern verschlungen zu werden. Mir läuft alleine schon beim Gedanken daran das Wasser im Munde zusammen. Aber wie es so schön heißt: Das Auge isst immer mit. Genau dieser Punkt fehlt noch. Pommes müssen nicht nur ideal hergestellt, sondern ebenso stilgerecht und daraufhungerkriegend aufgetischt werden.

GStinknormale Teller sind doch echt der Abtörner. Da kann jeder Schnösel gerne ein Schnitzel drauf legen. Aber doch keine hausgemachten, mit viel Schweiß und Arbeit geschnitzten Pommes Frites. Nee. Zu einer guten Portion Pommes gehört ein echter Pommes Teller.

Das Material des Pommes Tellers ist eigentlich egal. Es gibt welche aus Styropor. Welche aus Plaste und Elaste. Sogar Pommesplatten aus Designer-Porzellan. Am weitesten verbreitet ist aber wohl die Pommes Platte aus bester Pappe. Solch ein Teil das man bei geschätzter Weise 90 Prozent aller Pommes Buden direkt in die Hand gedrückt kriegt. Jedenfalls in meiner Wohngegend. Solch eine Pommes Platte ist nicht Platt. Selbst wenn der Name es erahnen lassen würde. Die Original-Pommes-Platte ist schon von der Form her ein hingebungsvolles Kunstwerk sondergleichen.

Der Kunstkritiker mit gehobener Ausdrucksweise würde einen Pommes-Teller (so wie ein echter Pommes Teller halt aussehen MUSS) folgendermaßen beschreiben:

Weiß. So weiß wie blütenreiner Schnee. Die Oberfläche mit einer eleganten Mattigkeit oder einem überaus vornehmen Glanz versehen. Eine wohlgeformte, kleine Unterseite. Ideal um Platz im menschlichen Handteller zu finden. Dort mit sicherem Griff gehalten zu werden. Die Seiten in einem 45 Grad Winkel geradezu lobpreisend in den Himmel aufsteigend. An den kurzen Enden abgerundet und mit einem Riffelmuster versehen. Ein Muster das an Muscheln erinnert. An teure Austern. Abermals ein deutliches Kennzeichen des Designers um den später so wertvollen, goldenen Inhalt dieser Schale zu unterstreichen.


Aber jetzt mal ganz, ganz ehrlich. Mich wurmt es immer wieder, wenn ein Pommes-Teller nicht diese typische Form hat. Selbst wenn andere Tellerformen eventuell praktischer sein sollten. Die schöne Muschelform ist nicht wirklich praktisch. Solche Teller unter strengem Blicke betrachtet sogar viel zu flach. Die darin aufgetürmten Pommesberge sehen nach besonders viel aus. Obwohl oft kaum etwas vom leckeren Gold in der Schale zu finden ist. Eine Mogelpackung der Pommesindustrie? Selbst nach umfangreicher Recherche bei Wiki und Google habe ich nicht den Urheber der Schale ausfindig machen können. Ein Stardesigner der unerkannt bleiben möchte? Einer der sich für diese Höchstleistung der Designkultur offenbar schämt? Oder war die Pommesschale irgendwann einfach da. So wie bei der Sache mit der Henne und dem Ei?


Negative Merkmale der typischen Pommeschale: Ganz klar. Die Ränder sind nicht hoch genug. Fast bei jeder Pommesesserei fliegt mindestens ein Pommesstück in hohem Bogen aus der Schale raus. Landet auf dem Boden oder unter dem Tisch. Wird dort von unachtsamen Füßen zu Brei zertrampelt. Oder viel Schlimmer: Das mit Ketchup und Majo beschmierte Pommes fliegt auf die gerade erst gewaschene Sonntagsbluse. Hinterlässt unübersehbare Flecken. Die nach oben laufenden Ecken und gerade die glatte, meist gewachste Oberfläche bietet den Pommesstückchen eine perfekte Schlitterbahn.

Spätestens wenn es um die letzten Reste geht versuchen die Pommes fluchtartig davonzuspringen. Von Links nach Rechts. Von Rechts nach Links. Als wenn eine geheimnisvolle Macht dabei mitspielen würde. Und nicht zu vergessen: In den muschelartigen Seiten verfängt sich stets eine gehörige Portion Frittensauße. Rauskratzen fast ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Portion Pommes wird dank dieser Designsünden nicht selten ein Geschicklichkeitsspiel. Angesiedelt zwischen Balanceakt und Fang die Maus. TROTZDEM: Zu einer echten Pommesorgie gehört der echte Pommes Teller ! Jawoll !

Gegessen wird auf zweierlei Weise. Entweder mit den Fingern oder mit dem Pommespieker. Das gekonnte Fingerspiel mit den goldenen Stängelein ist wohl die Urform der Esserei die wir von den Steinzeitmenschen übernommen haben. Happa-Happa? Und schnell gierig mit den Fingern zugegriffen. Kaum habe ich die Schale mit den Pommes in der Hand, da verfalle ich intuitiv ebenso in die Gedankensweise der Neandertaler und greife sofort zu. Mindestens ein paar der Pommes angel ich mir dann für das Stillen des ersten Hungers aus dem Pommesberg heraus. Der Rest wird ein Opfer des Pommespiekers. Zugegeben: Hier wäre eine richtige Gabel wohl ebenfalls praktischer. Aber Kartoffelstücke auf ein kleines Holzgäbelchen mit zwei halb ausgeformten Zacken zu kriegen ist fast genau so ein Kunststück wie Sushi essen. Ich bin halt eine Künstlerin !

Mein Kunstwerk über "The Art of the Pommes eating" hat fast ein Ende gefunden. Fehlt nur noch ein vierter Streich. Und zwar eine fettige und schmierige Angelegenheit. Eine Abhandlung über die ideale Pommes-Frites-Sauße. Wer den einleitenden Text und die Anleitung zur Herstellung der besten Pommes der Welt noch nicht gelesen hat, der sollte dies schnellstmöglich in Angriff nehmen. Es ist doch allgemein bekannt: Unwissenheit macht dumm. Ich will nicht, daß auch nur einer meiner Leser am Ende Opfer der (schlabber-wabber) Billig-Pommes-Industrie wird.

Margarita88 für Shopping.com


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margarita88

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Aufgenommen:Mrz 14, 2011

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