Wenn eine Teenie-Band auseinanderdriftet... Kim Frank und Florian Sump - das Danach
Als das neuste Jahrtausend anbrach, hatten sie mit “Du trägst keine Liebe in dir” einen ihrer grössten Hits. Doch so oft diese Liedzeile auch gesungen wurde: ihre Fans trugen sehr viel Liebe für die Flensburger Band Echt in sich, welche dereinst als einfache Schülerband begonnen und sich als solche innerhalb kürzester Zeit in den deutschsprachigen Chartstürmer schlechthin der damaligen Zeit verwandelt hatte.
Doch mit wachsendem Ruhm wurde auch der Druck größer; die Bandmitglieder reiften während der Phase größten Erfolgs zu erwachsenen Männern heran und das letzte, dritte Album konnte mit seiner neugewonnenen Tiefgründigkeit nicht an den Erfolg seiner Vorgänger anschließen, war nicht Mainstream genug und so verblasste der Stern Echts, um schließlich in der Auflösung der Band zu verglimmen.
Nahezu zehn Jahre später wird in diversen Chart-Shows der Gruppe noch regelmäßig gedacht und auch, wenn es Echt als Band nicht mehr, gibt, so sind einige Mitglieder doch nicht ganz in der Versenkung verschwunden.
Echt von Echt - Da haben die Zwei ihre Finger drin
“Lara” wurde kurzzeitig von den Radiostationen rauf und runter gespielt, in ständiger Rotation von den Musiksendern gezeigt und auch wenn der Song nicht ganz die Chartspitze erklimmen konnte, erinnerte er auch vom Stil her ein wenig an die besten Zeiten Franks früherer Gruppe.
Das zugehörige Album „Hellblau“ vermochte allerdings ebenfalls nicht an damalige Erfolge anknüpfen, obschon durchaus es als eine herausragende Perle deutschsprachiger Popmusik verstanden kann; die Kompositionen melodisch, die Texte gefühlvoll-melancholisch, das Thema „Liebeskummer“ als roter Faden.
Zuvor hatte Kim Frank vor Allem durch die von ihm verkörperte Hauptrolle im Leander-Haussmann-Film „NVA“ und die Synchronisation der Titelfigur im Animationsfilm „Himmel und Huhn“ auf sich aufmerksam gemacht. Zudem las er das Hörbuch „Der Doppelmord (Edgar Allan Poe)“.
Heute ist er hingegen vor Allem als Fotograf und Videokünstler tätig.
Für das Frühjahr 2011 ist zudem sein Debütroman „27“ in der „Junge Erwachsene“-Reihe des rororo-Verlags angekündigt.
Während die anderen Band-Kollegen sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzogen, trat der Drummer Florian Sump später unter dem Pseudonym „Jim Pansen“ als HipHop-Künstler ebenfalls erneut in Erscheinung.
Mittels schräger und sehr witziger Clips konnte er sich eine Fanbase im Internet aufbauen, verzichtete aber auf einen Vertrag bei einem der „Branchen-Riesen“, um auch weiterhin ganz echt sein zu können.
Das Debütalbum „Jim Pansen und die Verbotene Frucht“ war letztlich voller Herzblut und sprühte vor Freude, Energie und Daseinsfreude. In teils sehr humorvollen Texten nahm er oftmals nicht nur sich selbst auf die Schippe, sondern lieferte mit dem Titel „Fruchtbar schlau“ zudem eine kleine Parodie auf den Song „Nicht so furchtbar schlau“ vom Echt-Debütalbum ab.
Wo Kim Franks Album „Hellblau“ (wenn auch gitarrenlastiger und insgesamt ebenfalls monumentaler, da man hier auf ein breites Spektrum an verschiedenen Instrumenten zurückgriff) noch sehr an Echts „Freischwimmer“-Zeiten erinnert, ließ „Jim Pansen und die Verbotene Frucht“ eher an den deutschen HipHop der 90er erinnern. Eins Zwo, Fünf Sterne deluxe, Fettes Brot, wobei Jim Pansen durchaus auch mit diversen (ehemaligen) Mitgliedern der besagten Bands zusammenarbeitet.
Letztlich ist seine Musik aber erfrischend fröhlich und herzlich in einer Zeit, in der sich die meisten Rapper durch provozierte Skandale sowie durch Texte, in denen sie ihre Konkurrenz verschmähen, auszeichnen.
Unlängst verkündete Jim Pansen zudem, in naher Zukunft ein zweites Album zu veröffentlichen, was allerdings ausschließlich auf seiner Homepage zum Download angeboten werden soll, weil er schlicht und einfach keinen Bock hat, aufwändiges Marketing zu betreiben und bei Redakteuren um Aufmerksamkeit zu betteln: ehrliche Aussage und einfach echt.
Und eines haben sowohl Kim Frank als auch Jim Pansen längst bewiesen: auch wenn ihre Debütalben kaum etwas gemeinsam haben, beweisen sie doch eines – beide beherrschen die deutschsprachige Musik nach wie vor, auch wenn sie mit ihrer eigenen Musik nicht wieder Herrscher über die Charts werden konnten.
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