Musiksoftware zum Komponieren im Vergleich
Wie oft hat man sich schon gedacht "Wie gerne würde ich mal selbst Musik komponieren."? Und die Palette an möglichen Programmen um dies am Rechner zu tun ist groß. Aber welches dieser Programme ist wirklich nützlich für meine Komposition?
Im vorliegenden Ratgeber werden drei Programme für Musikschaffende vorgestellt und verglichen, denn nicht nur preislich, auch inhaltlich sind die Unterschiede zum Teil enorm.
- Welche Ausstattung hat mein Rechner? Arbeitsspeicher, Betriebssystem - all das kann ein Programm schon von Beginn an ausschließen, wenn etwa ein reines Windows-Programm vorliegt, man selbst aber einen Mac (ohne zweite Betriebssystem) verwendet, wird man an seinem Programm keine Freude haben.
- Welche Art von Musik möchte ich machen? Denn auch was das angeht, können sich die angebotenen Programme stark unterscheiden. Während ein Programm vielleicht ideal für die eine Musikrichtung ist, könnte es für eine andere komplett verkehrt sein.
- Welche Musikkenntnisse habe ich? Möchte man die Stücke selbst mit seinem Instrument einspielen, möchte man eine Partitur oder nur ein Musikstück zum Anhören, kann man Notenlesen oder nicht? Auch hier gibt es verschiedene Programme, die ein verschiedenes Maß an musikalischem Vorwissen erfordern, bzw. mit einem solchen wesentlich effektiver zu bedienen sind.
- Welches Budget steht mir zur Verfügung? Die Preisklasse, in welcher sich Musikprogramme bewegen, ist enorm: Es gibt einfachste Programme schon für wenige Euro zu kaufen, wohingegen professionelle Programme leicht mehrere hundert bis weit über tausend Euro kosten können. Man sollte darauf achten, dass die Ausgabe dem Verwendungszweck Rechnung trägt.
Dies sind vier Grundfragen, die man zu Beginn klären sollte, denn mit diesen Informationen im Hinterkopf kann man sehr schnell ungeeignete Kandidaten ausschliessen. Wenn sich die Möglichkeit bietet, sollte man das Programm natürlich zunächst antesten um zu sehen, ob man mit ihm zurecht kommt.
Apple Garageband
Für Besitzer eines iMacs ist Garageband eine offensichtliche erste Wahl, da das Programm bereits auf dem Rechner vorinstalliert ist, man somit also keine zusätzliche Ausgabe für das Programm selbst hat.
Die Bedienung ist intuitiv, man findet sich auch ohne viel Anleitung sehr schnell zurecht, zumindest was die Grundfunktionen angeht.
Was bietet das Programm kompositorisch gesehen?
Man hat die Möglichkeit, Tonspuren selbst aufzunehmen oder durch die Tastatur (sowohl Keyboard als auch Klaviatur möglich) einzuspielen. Zudem gibt es einige vorgefertigte Tonelemente (Jingles), die man in sein Stück einbauen kann. Über einen Editor kann man die Tonspuren bearbeiten, kopieren, verschieben etc., viele Profile für eine veränderte Tonausgabe stehen ebenfalls zur Verfügung.
Für wen eignet es sich?
Das Programm eignet sich für eine Vielzahl an musikalischen Stilen, in jedem Fall ist es aber für "Selbstmacher" eher geeignet als für theoretisch arbeitende.
Zusätzliches:
Das Programm an sich verfügt nur über eine begrenzte Anzahl an internen Instrumenten und Tonspuren. Um diese Auswahl, mit Hinblick auf eine bestimmte Musikgattung, zu erweitern, gibt es so genannte "Jam-Packs", die man zusätzlich kaufen kann.
Vorteile:
- auf Mac bereits vorinstalliert
- viele Bearbeitungsmöglichkeiten
- einfach Bedienung
- ausführliche Anleitungen, auch mit Videos, online vorhanden
- auch für "musikalische Laien" geeignet
Nachteile:
- kann durch Jam-Packs schnell recht teuer werden
- keine einfache Noteneingabe
- Rauschen und Übergänge bei aufgenommenen Tonspuren zT schwer entfernbar
- ab einer gewissen Spuranzahl hat das Programm zT Probleme mit der Stabilität
Sequel 2 - Steinberg
Im Gegensatz zu Garageband, findet sich Sequel nicht vorinstalliert. Doch auch die Handhabung unterscheidet sich eklatant, nicht umsonst wird das Programm mit einem sehr ausführlichen und nicht gerade kleinen Handbuch geliefert.
Was bietet das Programm kompositorisch gesehen?
Wie bei Garageband, hat man die Möglichkeit vorgefertigte Jingles zusammen zu fügen, sie zu verändern oder komplett neue Spuren aufzunehmen. Modulationen (d.h. Setzen in eine andere Tonart) von bereits eingespielten Parts lassen sich ganz einfach vornehmen, ebenso wie Änderungen an Taktart und Tempo.
Für wen eignet es sich?
Zum kompletten Selbstkomponieren ist Sequel nur bedingt geeignet. Zudem sollte man eine gute Auffassungsgabe für die Bedienung mitbringen, denn diese zu verstehen ist in manchen Bereichen alles andere als leicht, so dass ein gründliches Einarbeiten ein Muss ist. Prinzipiell ist das Programm im Hinblick auf Eigenkomposition besonders für den Bereich elektronischer Musik sehr nützlich.
Zusätzliches:
Auch für Sequel gibt es Erweiterungspakete für bestimmte Stilrichtungen zu kaufen, die das Basispaket ergänzen. Das Programm wird vor der Benutzung idealerweise registriert, denn nur so erhält man den vollen Content und Support.
Vorteile:
- vielfältiges Mastering möglich
- auch bei vielen Spuren stabil
- Export von Projekten in verschiedenen Formaten
Nachteile:
- sehr komplexe Bedienung
- Aufnahmen eigener Spuren standartmäßig nur über Mikrophon
- Im Aufbau unübersichtlich gestaltet
- benötigt hohe Computerwerte (1GB RAM, 6GB Festplattenspeicher)
Finale Allegro - Klemm
Die Finale-Reihe besteht aus verschiedenen Einzelprogrammen, die je nach Verwendungszweck und Geldbeutel des Anwenders ausgerichtet sind und reichen von Einfachen Reader-Programmen bis hin zu Programmen, welche ganze Orchestersätze bearbeiten können.
Vorgestellt wird hier eines der "mittleren" Programme: Finale Allegro.
Was bietet das Programm kompositorisch gesehen?
Finale Allegro ist für Kompositionen bestimmt, die einen bestimmten Maximalbereich an Instrumentation nicht überschreitet. Das Prinzip lautet hier, dass man direkt an einer Partitur arbeitet, d.h. in Notenwerten und mit entsprechenden Akzidentien, welche einem über verschiedene Arbeitspaletten zur Verfügung stehen. Synthetische Instrumente stehen einem hier - wie in den zuvor vorgestellten Programmen, ebenfalls zur Verfügung, wenn auch der Schwerpunkt mehr auf "klassischen" Instrumenten liegt.
Für wen eignet es sich?
Die Arbeit mit Finale setzt vor allem eines heraus: zumindest elementare Kenntnisse der Musiktheorie wie Notenlesen und Kenntnis der Akzidentien. Wenig verwunderlich ist daher auch, dass das Programm insgesamt tendenziell eher für den Bereich "klassischer" Musik geeignet ist und weniger für Pop oder Rock - wenn auch das nicht unmöglich ist.
Zusätzliches:
Das Programm bietet einige Funktionen, die man kaum bis nie nutzen wird, so etwa die Wahl zwischen verschiedensten Arten die Partitur anzulegen. Dennoch kann man sich leicht in die verschiedenen Funktionen einfinden, so dass man die Hilfefunktion nur selten benötigt.
Vorteile:
- große Instrumentenauswahl
- Arbeiten in und an der Partitur, sowie Ausdrucken derselben möglich
- viele Akzentuierungen
- Eingabe der Noten über Mausklick oder mit Pfeiltaste und Enter möglich
- auch für ältere Rechner geeignet, da nur wenig benötigt wird (256MB RAM & 200MB Festplatte)
Nachteile:
- optimiert für "klassische" Musik, für andere Musikgenres nicht immer ideal
- begrenzte Spuren
- keine Jingels, d.h. es muss von Anfang an alles selbst komponiert werden (wenn das auch nur bedingt von Nachteil ist)
- Häufige Neuauflagen des Programms, das Updaten auf eine neue Version ist kostenpflichtig, aber nicht zwingend nötig
Man sollte sich also in keinem Fall überstürzt ein Programm kaufen, sondern sich zuvor gut informieren, ob das Programm überhaupt für meine Zwecke (und Voraussetzungen) das richtige ist. Falls nicht, kann es nämlich schnell ärgerlich werden, falls doch, wird das Musikschaffen ungemein erleichtert.
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