Wie ich aus unserem Balkon-Schlauch einen Wohnschlauch machte
Ein grosser Garten mit einer schönen Terrasse ist zwar besonders in Frühling und Sommer wunderschön, kann man sich doch hier seine ganz eigene grüne Oase schaffen, die zum Relaxen und Wohlfühlen einlädt. Nichtsdestotrotz besitzen sehr viele Menschen, die in Wohnungen leben, nur einen Balkon, der grössentechnisch manchmal doch auch eher einer Miniatur, dem Balkon einer Puppenstube, gleichkommt als einem Balkon, der womöglich gar von einer mehrköpfigen Familie genutzt werden kann.
Während ich früher immer in Häusern mit grossen Gärten wohnte, leben meine Familie und ich inzwischen in einer Wohnung, zu welcher lediglich ein zwar einige Meter langer, aber doch auch schmaler Balkon gehört. Dennoch möchten wir natürlich nicht darauf verzichten, die frische Luft auch einmal gemütlich auf unserem Balkon geniessen können und haben uns bei der Gestaltung entsprechend Mühe gegeben.
Auf einer Seite des Balkons steht nun ein Klapptisch nebst zwei Klappstühlen, in einer Reihe nebeneinander angeordnet, so dass die Stühle, durch den Tisch getrennt, sich selbstverständlich gegenüberstehen. Diese leichten Möbel haben den Vorteil, dass man sie platzsparend und schnell zusammenklappen kann, so dass man sie im Winter in einer wind- und wettergeschützten Ecke des Balkons verwahren und bei Bedarf aufstellen könnte. Allerdings stehen unsere Klapp-Möbel nahezu rund ums Jahr auf dem Balkon, vor Allem, weil unsere Wohnung Nichtraucherzone ist und die Raucher sich so auch mal gemütlich hinsetzen können. An der Klappbarkeit der Möbel freue ich mich hier aber dennoch regelmässig: denn sie lassen sich dadurch natürlich wunderbar einfach bei Seite räumen, wenn es darum geht, den Balkon zu reinigen.
Anstatt ein Klapptisch aufzustellen, kann man natürlich auch auf einen kleinen Klapptisch zurückgreifen, der einfach am Balkongeländer eingehängt wird – uns gefiel dies aber nicht so, da wir im Sommer auch häufig auf dem Balkon essen und uns dabei lieber gegenübersitzen anstatt nebeneinander zu hocken und in trauter Einheit auf den Ort hinauszuschauen. Zudem fanden wir auch ohnehin keinen solchen Klapptisch zum Einhängen, der gross genug gewesen wäre, um nicht nur die gefüllten Teller und Gläser dort abzustellen zu können, sondern auch noch die Essenschüssel. Für noch kleinere Balkone, bei denen man variabler in der Gestaltung sein muss, sind Klappstühle zu einem solch einhängbaren Tisch natürlich dennoch keine schlechte Alternative, zumal hier auch keine Tischbeine im Weg sind, sondern die Beine ausgestreckt werden können.
Unser Balkon ist überdacht und an beiden Seiten durch Mauern eingegrenzt, sprich wie eine Art Nische ins Haus eingebaut. Um die seitlichen Wände nicht ganz so kahl und farblos erscheinen zu lassen, haben wir hier Schilfrohrmatten angebracht, welche für „freihängende“ Balkone ohnehin oft auch als Sichtschutz angeboten werden. Diese Matten kann man auch als Rankhilfe zweckentfremden: wir ziehen hier nun Tomaten hoch, was hervorragend funktioniert, haben zuvor aber einzelne Stäbe aus der Schilfrohrmatte entfernt, um den Pflanzen mehr Platz zu bieten. Unser Balkon ist allerdings sehr sonnenverwöhnt, so dass immer zahlreiche Früchte heranreifen, obschon die Pflanzen nur seitlich von der Sonne beschienen werden.
Eines der Fenster unserer Wohnung geht auf den Balkon hinaus und hier haben wir nun auch ein äusseres Fensterbrett, auf welchem wir in Töpfen Küchenkräuter heranziehen, die im Winter im Wohnungsinneren heranwachsen müssen. Es gibt unlängst auch beleuchtete (LED-)Blumentöpfe, die für eine schöne Stimmung sorgen, wenn man abends noch etwas auf dem Balkon sitzt und auch tagsüber unbeleuchtet hübsch aussehen.
Dies ist unsere Klapp-Möbel-Ecke, da man so auch leicht an die Pflanzen herankommt, wenn man die Möbel schnell mal bei Seite stellen möchte, um sich um Kräuter und Früchte kümmern zu können.
Relativ schnell stellten wir fest, dass Klappmöbel zwar sehr praktikabel und mit schönen Polsterauflagen auch einen weichen Sitz garantieren, dass Klappstühle aber doch eher unpraktisch sind, wenn man sich einfach mal auf dem Balkon lümmeln möchte. Denn auf diesen Stühlen lässt es sich doch nur recht gerade sitzen.
Da unser Balkon aber doch etwas länger ist, hatten wir glücklicherweise in der anderen Balkonecke noch genügend Platz für ein Lounge-Sofa, welches für den Outdoor-Bereich geeignet ist. Hier steht nun also doch ein solcher Zweisitzer, der aber meist nur von je einer Person genutzt wird, da man sich darauf doch auch etwas mehr fläzen kann. Und abends sitzen mein Schatz und ich doch auch gerne hier bei einem Glas Wein, Schulter an Schulter, beisammen. Den einhängbaren Klapptisch, den wir anfangs doch aus unwissendem Leichtsinn heraus gekauft und den ich hier schon erwähnt hatte, haben wir gegenüber dieser Aussencouch angebracht, da wir ihn ohnehin nur benötigen, um dort mal eine Trinkflasche oder etwas zu Knabbern hinzustellen bzw. ein Buch abzulegen.
Von den Möbeln her muss ich sagen, dass Klappmöbel bei kleinen Balkonen einfach wohl am Praktischsten sind, aber aufgrund der Bequemlichkeit würde ich, sofern der Platz ausreichen sollte, doch eher ein Lounge-Sofa (was, insbesondere im Winter, aber auch bei Regenwetter, einfach durch eine Plane geschützt werden kann) empfehlen.
Auf der Sofa-Seite, in der Lümmelecke, haben wir an der Mauer oben ein Hängeregal angebracht – hier kann man ein ganz normales Wohnregal nehmen und es entsprechend mit Lack imprägnieren, so dass es von Wind und Regen nicht innerhalb kürzester Zeit zerstört wird. Unten steht hier ein mehrstöckiges Pflanzenregal, auf welchem wir kleinere Blumentöpfe nebst passenden Deko-Artikeln untergebracht haben. Wenn das Platzangebot begrenzter ist, ist es natürlich clever, Dinge übereinander anzurichten und nicht in einer Reihe nebeneinander aufzustellen.
Im oberen Regal haben wir einige Windlichter aufgestellt, die abends für eine leichte Beleuchtung sorgen – Achtung: im Hochsommer sollte man während extremer Hitze-Perioden Teelichter und sonstige Kerzen tagsüber besser entfernen, da diese durchaus schmelzen können -, ebenso wie auf dem Klapptisch meist eine kleine Laterne steht, in deren Innerem eine Stumpenkerze für heimelige Lichtstimmung sorgt.
Am Balkongeländer haben wir zudem einige Blumenkästen angebracht, die eine florale Reihe bilden: hier stecken zwischen den Blumen diverse Solarstecker in der Erde, die den Balkon abends ebenfalls etwas mehr erhellen. Bei nur geringem Platzangebot ist es natürlich ratsam, die Blumenkästen, sofern erlaubt, nach aussen zu hängen.
Inzwischen gibt es auch den Blumentopf „On the edge“, der sich durch einen Spalt im verlängerten Boden sozusagen auf das Balkongeländer stecken lässt und somit halb auf dem Balkon und halb vor dem Balkon sitzt. Diese Art Töpfe bieten Platz für vereinzelte Blumen oder auch für die bereits erwähnten Kräuter. Zwischen unseren Blumenkästen haben wir nun ausreichend Platz gelassen, um dort jeweils einen „On the edge“-Behälter anzubringen. In der kälteren Jahreszeit sind unsere Blumenkästen prinzipiell eher unbepflanzt und meist nur mit etwas frischem Grün bedeckt. Nun im Frühling haben wir in die Töpfe zwischen den Kästen Hyazinthen und Narzissen gepflanzt, um erste Farbtupfer zu erhalten, bevor auch die Blumenkästen wieder voll bepflanzt werden und in voller Blüte erstrahlen können.
Es ist erstaunlich, wieviel Licht Solarstecker doch abgeben können und in der Kombination mit den Windlichternen/Laternen ist uns das gebotene Licht so meist ausreichend, so dass wir gar nicht erst auf eine echte Lichtquelle zurückgreifen müssen. Dennoch haben wir aber über der Couch eine spezielle Aussenlampe angebracht, bei der wir aber auf gelblicheres, wärmeres Licht zurückgreifen (zum Einen, weil Mücken gelbes Licht angeblich nicht wahrnehmen und somit nicht hiervon angezogen werden können und zum Anderen, weil es einfach wärmer wirkt, so dass eine gemütlichere Atmosphäre entsteht). Dieses Licht wird aber fast nur eingeschaltet, wenn man spät am Abend bei bereits fortgeschrittener Dunkelheit noch etwas draussen lesen möchte, um die Augen zu schonen und einfach besseres Leselicht zu haben. Bei kleineren Balkonen sollte man solche Lichtquellen auch möglichst weit oben anbringen: Bekannte von uns haben einen wirklich kleinen Balkon und erhellen ihn mittels einer Lampion-Kette für den Aussenbereich, welche noch über Kopfhöhe angebracht ist und so auch nicht stören kann. Wenn nicht nur eine Balkontür hinausführt, sondern auch noch ein Fenster der Wohnung (wie im Fall unserer klappbaren Sitz-Seite) auf den Balkon zeigt, sollte zudem auch häufig ggf. noch genügend Licht aus der Wohnung auf den Balkon fallen können, so dass man ohnehin nicht gross auf separate Lichtquellen auf dem Balkon angewiesen wäre.
Wenn das Wetter im Sommer wieder mal traumhaft schön und die Temperaturen auch nachts unglaublich hoch ist, kann man die klappbaren Möbel übrigens bei Seite räumen: ihr Stellplatz bietet gerade genug Platz für ein für zwei Personen geeignetes Luftbett (auf kleinen Balkonen sollte so zumindest auch eine Ein-Personen-Luftmatratze Platz finden) , auf dem man an solchen Tagen hervorragend draussen schlafen kann.
Seit ich mich mehr mit der Gestaltung meines Balkons befasse und ihn tatsächlich als Wohnraum sehe und nicht als eine Art Garten-Ersatz bzw. Nutzraum, fühle ich mich hier auch sehr viel wohler und geniesse jede Minute auf dem Balkon, wobei ich hier auch viel mehr Zeit als früher im Freien bringe. Als wir noch einen Garten hatten, hielt ich mich, wie ich im Nachhinein feststellen musste, hauptsächlich zur Gartenarbeit draussen auf und verbrachte weitaus weniger Zeit relaxenderweise auf der Terrasse als ich es nun auf dem Balkon tue. Und auch mein Schatz ist nach Feierabend eher geneigt, noch ein, zwei Stündchen draussen zu sitzen, während es ihn damals eher selten in den Garten zog.
Man sollte sich also auch von einem Balkon mit einem geringeren oder vom Schnitt her ungünstigeren Platzangebot nicht einschüchtern, sondern dazu inspirieren und verlocken lassen, ihn bestmöglich auszunutzen.
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