Raclette - bei uns geliebt
Der Raclette Grill RG 3090 von Clatronic ist ein getreuer Gefährte in unserem Haushalt, der im Übrigen deutsch-schweizerisch ist, was dem Gericht „Raclette“ natürlich noch einen gewissen Extra-Status verleiht: immerhin zählt es für die Hälfte von uns als „Nationalgericht“. So wird bei uns auch häufig und zu jedweder Jahreszeit raclettiert.
Meine Schweizer Angehörigen/Angeheirateten machten mich zunächst mit dem originalen Raclette vertraut, was eigentlich nur aus Pellkartoffeln und Käse besteht, zu denen vornehmlich Gewürzgurken und Silberzwiebeln gereicht werden.
Die Pellkartoffeln werden natürlich separat vorbereitet und im Raclette wird der Käse geschmolzen. Dabei gibt es verschiedene Variationen: die Älteren bereiteten in der Regel lediglich den Käse zu und gaben diesen im Anschluss über die Pellkartoffeln, welche der Grossteil von ihnen allerdings nicht pellte, was mich zunächst doch sehr irritierte. Mir hatte man während meiner Kindheit immer wieder eingetrichtert, dass man Kartoffeln doch nicht mit Schale essen dürfe, doch da belehrten mich die Schweizer eines Besseren. Im Übrigen sah ich vor einiger Zeit im TV eine Reportage über einen Koch, der für eine hauptsächlich in den USA agierende Fluggesellschaft Menüs entwickeln solle, die in den Fliegern gereicht werden, und welcher hervorhob, dass er auf die Qualität der Kartoffeln ein besonderes Augenmerk legen müsse, da man diese in den Staaten häufig ebenso inklusive Schale verzehren würde. Ganz so „gefährlich“ kann es also nicht sein, ungeschälte gekochte Erdäpfel zu verspeisen.
Allerdings sind mir Kartoffeln mit Schale doch nicht ganz geheuer bzw. ich mag diese so nur, wenn die Schale sehr dünn ist und die Kartoffeln eine gleichmässige Ebene haben. Das Auge isst schliesslich mit und so pelle ich sie auch beim Schweizer Raclette häufig.
Alternativ kann man die Kartoffeln aber auch in Scheiben schneiden, mit welchen man die Raclettepfännchen auslegt, um sie im Raclettegerät mit Käse zu überbacken. Auch das ist natürlich sehr lecker.
Aber neben dem traditionellen Raclette-Gericht, bei dem vergleichsweise doch eher Schmalhans Küchenmeister ist, gibt es längst viele verschiedene Variationen und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: so brutzeln oben auf unserem Raclette-Gerät häufig „Geschnetzeltes“. Hier kann man eigentlich alle Sorten Fleisch in kleine Würfel schneiden und oben auf dem Gerät kurz anbraten. Besonders gut geht das, zumindest im Falle des Clatronic RG 3090, mit Geflügel, da vieles andere Getier doch etwas mehr Garzeit benötigt und dabei aber schneller trocken wird. Bei Geflügel ist es nun so, dass es auch mal zwei, drei Minuten obenauf liegen kann und man hier nicht lauern muss, um es möglichst schnell herunternehmen zu können. Scampi sind auch relativ schnell gar, müssen aber schneller als Geflügel vom Gerät geholt werden, schmecken dafür aber auch herrlich zart, obschon sie angenehm bissfest bleiben.
Kürzlich ausprobiert und allgemein für gut befunden: Minifrikadellen (oder besser: Kügelchen) aus Mett, welche dann auf dem Raclette angebraten wurden. Durchaus empfehlenswert!
In der Regel ist bei uns, wenn ein Raclette veranstaltet wird, prall mit Zutaten gefüllt: in kleinen Schüsselchen tummeln sich Kidneybohnen, in Streifen geschnittene Paprikaschoten, in Scheiben geschnittene frische Champignons (welche man in ganzer Form auch oben auf dem Raclettegerät zubereiten kann, wobei diese hier allerdings doch einige Zeit benötigen, ehe sie nicht mehr als „roh“ bezeichnet werden können) , Maiskörner, Thunfisch, vorgekochte Nudeln oder eben auch Pellkartoffeln… so kann sich jeder in sein Pfännchen füllen, nach was es ihm gelüstet, es unter Käse verstecken und im Raclette zubereiten.
Für das Fleisch stehen auch noch verschiedene Saucen bereit, die aber erst nach der Zubereitung übergegossen werden, aber normalerweise haben wir für die Zubereitung im Raclettegerät auch noch eine Sauce Hollandaise bzw. ein Kännchen Sahne (und natürlich auch Gewürze, falls beispielsweise jemand sein Essen noch ein bisschen verschärfen will) bereitstehen. Tipp: einige Nudeln mit ein paar Champignonscheiben in das Raclettepfännchen geben, mit etwas Sahne übergiessen, eine Scheibe Raclettekäse darauf und ab in das Raclette-Maschinchen. So erhält man einen ganz leckeren Nudel-Pilz-Auflauf in Miniaturformat.
Ich kann übrigens nur dazu raten, tatsächlich speziellen Raclette-Käse zu nehmen. Theoretisch eignet sich jeder butterige Schnittkäse, aber nach einigen Experimenten in dieser Hinsicht kann ich nur sagen, dass sich nichts mit den Schmelzeigenschaften von Raclette-Käse messen kann. Dieser verläuft einfach sehr viel besser und umschliesst das Essen im Raclette-Pfännchen, während normaler Käse häufig nur obenauf liegt und vor Allem an den Rändern nicht so gleichmässig und auch nicht vollständig schmilzt.
Raclettekäse gibt es heute auch schon in diversen Geschmacksrichtungen: ob pur oder mit Knoblauch, Pfeffer bzw. Paprika versehen, so dass man hier nicht einmal mehr zwangsläufig auf separate Gewürze angewiesen ist.
Das Schöne an unserem Raclette-Buffet ist übrigens: stehen am Ende des Essens doch wider Erwarten viele Reste auf dem Tiswch, kann man das übriggebliebene Fleisch am nächsten Tag einfach zusammen mit dem überschüssigen Gemüse in einen grossen Topf werfen und ein leckeres Geschnetzeltes daraus zubereiten.
Der Käse wird bis zum nächsten Raclette ohnehin nicht schlecht, aber sofern in naher Zukunft kein Raclette geplant ist, kann man ihn auch hervorragend für sämtliche anderen überbackenen Gerichte einsetzen.
Unseren erwähnten Raclette-Grill von Clatronic möchte ich nicht mehr missen, da er einfach einzusetzen ist und auch seine Reinigung einfach vonstatten geht. Ich möchte allerdings erwähnen, dass nach zwei Jahren häufiger Nutzung die Teflon-Beschichtung der Pfännchen doch schon etwas nachgelassen hat. Anfangs hat man die Spatel gar nicht gebraucht, da der Inhalt so aus den Pfännchen auf den Teller glitt, während man nun schon etwas schaben muss und an den Rändern oftmals auch kleine Käseränder hängenbleiben. Allerdings reicht ein leichtes Schaben; man muss die Dinge nicht mühsam aus den Pfännchen kratzen, und dies ist wohl bei allen Raclette-Geräten gleich. Und klar, ob Raclette oder etwas Anderes – wird ein Gegenstand häufig benutzt, zeigt er mit der Zeit natürlich gewisse Abnutzungserscheinungen und die sind hier inzwischen auch längst noch nicht so deutlich als dass ich schon ein neues Gerät nachzukaufen gedenke.
Der Raclette-Grill beinhaltet acht Pfännchen, zu denen ich ab vier Personen auch raten würde, so dass jeder zwei Pfännchen zur Verfügung hat. So kann man immer bereits ein weiteres Pfännchen vorbereiten, während man den Inhalt des Anderen bereits verzehrt. Clatronic rechnet auch pro Person zwei Pfännchen und so sind diese an den Griffen auch jeweils im Zweierpack farblich gekennzeichnet, so dass jeder „seine“ Pfännchen erkennt und nicht versehentlich zu dem des Nachbarn greift. Theoretisch würde das Gerät natürlich auch für acht Personen langen, aber dann entstehen eben entsprechende Wartezeiten.
Der RG 3090 ist stufenlos regulierbar, was sehr angenehm ist, da man hier die Temperatur auch minimal verringern oder erhöhen kann, sofern Bedarf besteht. Das Raclette-Gerät wird ziemlich schnell warm, so dass es hier Unsinn ist, vorzuheizen. Da reicht es durchaus, es erst dann anzustellen, wenn sich alle an den Tisch begeben und beginnen, ihre Wunsch-Pfännchen zusammenzustellen.
Nun gibt es nach wie vor noch Raclette-Geräte, welche nicht elektrisch sind, sondern die teils noch mit untenstehenden Kerzen beheizt werden. Diese werden aber immer weniger, verständlicherweise. Zugegeben: im Falle eines Stromausfalls ist es praktisch, wenn man sich so doch eine warme Mahlzeit zubereiten kann. In allen anderen Fällen ist es eine sehr zeitaufwändige Sache, da diese Geräte in der Regel erst dann warm genug sind, wenn die ersten Kerzen ausgebrannt sind und bereits durch neue ersetzt werden müssen. Und dann ist die Temperatur selbstverständlich nicht so leicht regulierbar, wenn man davon absieht, dass man sich doch schnell die Finger verbrennt, wenn man die Kerzen austauschen will und dann doch mit den Fingern an das nun erhitzte Gerät gelangt. Andere nicht-elektrische Raclette-Grills werden mittels Brennpaste erhitzt, die im Gegenzug zu Kerzen zumindest den Vorteil hat, dass man sie während des essens eher nicht austauschen muss und dass sie in deutlich kürzerer Zeit erhitzt. Allerdings hinterlässt Brennpaste noch mehr Spuren als russende Kerzen und man muss die nicht-elektrischen Geräte nach dem Gebrauch regelrecht abschrubben, was mitunter doch zu einer sehr mühsamen Angelegenheit wird. Von daher sind nichtelektrische Raclette-Geräte zwar sehr nostalgisch, aber unglaublich unpraktisch und von daher möchte ich allen abraten, die sich mit dem Gedanken tragen, sich eine nichtelektrische Version zuzulegen, „weil es doch viel romantischer ist“.
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