Mit der Kliniktasche jederzeit für den Notfall gerüstet
Vor einigen Jahren ging ich mit starken Bauchkrämpfen zum Arzt und kam erst eine Woche später wieder heim, da mich der Arzt direkt ins Krankenhaus bringen liess, wo ich sofort für eine Not-Operation vorbereitet wurde.
Natürlich geschah all dies so unerwartet, dass ich mir später diverse Dinge ins Spital bringen lassen musste, was mit langen Erklärungen verbunden war, was in welchem Schrank lag und auch, wenn ich eine vertraute Person mit dem Packen meiner Habseligkeiten beauftragte, blieb doch das unruhige Gefühl, dass nun jemand tiefen Einblick in meine Privatsphäre nimmt und die Anspannung, ob sich in der Tasche letztlich tatsächlich all die Dinge finden lassen würden, die ich holen lassen wollte.
Meine Oma ist chronisch krank und muss sich des Öfteren recht unvermittelt einer klinischen Behandlung unterziehen. Sie hat nun ständig eine kleine gepackte Tasche in ihrer Wohnung stehen, um für plötzliche Krankenhausaufenthalte gerüstet zu sein.
Auch Schwangere packen bereits einige Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin eine kleine Tasche für den Klinikaufenthalt.
Meine plötzliche schere Erkrankung zeigte mir: es ist gar nicht so dumm, im Notfall vorbereitet zu sein und seither steht auch in meinem Schlafzimmer stets eine gepackte Tasche parat.
Zunächst einmal muss man keinen Riesenkoffer packen: ein Krankenhausaufenthalt kann zuweilen zwar sehr lange andauern, aber zumeist gibt man seine Schmutzwäsche dann doch einmal mit der Bitte um Reinigung einem vertrauten Besucher mit. Weiterhin benötigt man im Krankenhaus sicherlich weder Abendkleid noch Smoking und auch wenn der Winter noch so hart ist, kann man hier auf den Ski-Overall doch verzichten.
Aber man sollte bereits bei der Wahl der Tasche Vorsicht walten lassen: kleine Reisetaschen lassen sich zwar platzsparend zusammenlegen und im Schrank verstauen, aber auch ein unten in den Schrank gestelltes Köfferchen blockiert weder Krankenzimmer noch den kleinen Kleiderschrank, wie er in solchen Räumen üblich ist.
Von daher ist es irrelevant, welche Art Gepäckstück man wählt, aber es sollte Rollen haben. Eventuell kommt es zu einem „angemeldeten“ Aufenthalt, bei welchem man seine Tasche selber in die Klinik mitbringt, und je nach Art der Beschwerden ist es vielleicht nicht ganz so angenehm, diese tatsächlich tragen zu müssen. Rückenschonender verhalten sich Trolleys hier allemal.
Oder aber man wird bei seiner Entlassung nicht abgeholt, sondern geht alleine heim und jeder, der schon mal einige Tage dort verbringen musste, weiss, dass ein Krankenhaus-Aufenthalt immer ein wenig schwächt. War man zudem noch wegen beispielsweise einer Arm- oder Schulterverletzung eingewiesen worden, möchte man erst recht nicht noch eine Tasche schleppen.
Doch auch, wenn man abgeholt wird, freut sich der Abholende sicherlich über ein zu ziehendes Gepäckstück: eventuell muss der Entlassene auch noch gestützt werden und hier ist es ebenfalls praktischer, ein Köfferchen mitrollen zu lassen als auf der einen Seite einen Kranken und auf der anderen Seite eine Tasche ausbalancieren zu müssen.
Im Übrigen gibt es heute auch mit Rollen behaftete Reisetaschen, die sich ebenfalls noch klein zusammendrücken lassen.
Im Krankenhaus verbringt man die meiste Zeit in Schlaf- oder Trainingskleidung: von daher sollten in der Tasche zwei Schlafanzüge oder Nachthemden enthalten sein, die in erster Linie bequem sind und nach Möglichkeit aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Seide bestehen sollten.
Heute werden Pflaster in den meisten Fällen nicht mehr allzu intensiv genutzt, sondern auch nach Operationen werden die Pflaster häufig schon nach zwei, drei Tagen von der Wunde entfernt.
Nichtsdestotrotz bleibt eine Wunde zunächst einmal eine Wunde und die Haut im operierten Bereich ist oftmals sehr empfindlich und reagiert auf Kunstfasern, wie sie in vieler Kleidung heute schon zur Norm geworden ist.
Beim Packen einer Notfall-Tasche weiss man zudem nicht, wie der Notfall letztlich aussehen wird, weswegen sich ein weiterer Pyjama empfiehlt.
Insbesondere als Frau möchte man vielleicht auch im Spital seine Figur zeigen und nicht verstecken, aber der enge Schlafanzug rächt sich spätestens, wenn man im Bereich des Unterleibs operiert wurde und der Bund im Bereich der OP-Naht einschneidet. Von daher: lieber weitere Nachtkleidung!
Ähnliches gilt für Trainingskleidung, welche man häufig tagsüber in Krankenhäusern trägt: auch diese sollte möglichst aus natürlichen Stoffen bestehen und genügend Bewegungsfreiheit bieten.
Zwei oder drei T-Shirts, die man unter der Trainingsjacke trägt, sollte man ebenfalls nicht vergessen!
Doch warum eigentlich zwei Nachtkleider? Dauert der Krankenhaus-Aufenthalt nur wenige Tage an, reicht theoretisch sicherlich auch ein Schlafanzug.
Allerdings ist zu bedenken, dass gewisse körperliche Reaktionen unvorhersehbar sind: eventuell gehört eine starke Übelkeit zu den Nebenwirkungen der Behandlung und spätestens, wenn man sich erbrochen hat und dabei doch auch Einiges zu Lasten der Kleidung ging, freut man sich über Ersatzkleidung.
Ein Bademantel gehört schon zur obligatorischen Ausstattung für einen Krankenhaus-Aufenthalt; allerdings wird dieser dort hauptsächlich nach dem Duschen oder Baden getragen und im Krankenzimmer doch schnell gegen Schlaf- oder Trainingskleidung (hier eignet sich alternativ natürlich auch ein sogenannter Hausanzug) getauscht.
Von daher eignet sich hier eventuell auch ein kurzer Kimono und da man seinen Bademantel zumeist doch ordentlich aufgehängt und schnell greifbar in der Wohnung verwahrt, ist es auch nicht unbedingt nötig, ein zweites Exemplar für die Krankenhaus-Tasche zu kaufen.
Viele Patienten in Krankenhäusern tragen Hausschuhe in Form von Latschen, die natürlich nicht geschlossen sind.
Sicherer sind natürlich geschlossene Pantoffeln, die nicht nur die Füsse wärmer halten, sondern vor Allem nicht so schnell von den Füssen rutschen und daher gemeinhin keine Stolperfallen darstellen.
Insbesondere bei vorhergehenden Narkosen neigt man wie allgemein unter dem Einfluss stärkerer Medikamente doch eher zum Torkeln und wer eben erst an der Bandscheibe operiert wurde, möchte sich sicherlich nun nicht noch das Bein brechen, weil man über seine eigenen Schuhe gestolpert ist.
Viel mehr Kleidung benötigt man im Krankenhaus eigentlich nicht: einige Patienten mögen es nicht, als Patient erkannt zu werden, wenn sie im „legeren Look“ über die Krankenhausflure huschen.
Von daher sollte man auch eine Kombination Alltagskleidung im Köfferchen haben: es empfehlen sich eine leichte, weite Stoffhose sowie ein locker fallender Pullover nebst Sneakers, in die man nur hineinschlüpft.
Diese Kombination eignet sich dann letztlich auch, um sie bei der Entlassung zu tragen.
Ferner darf ein Badehandtuch, sowie zwei oder drei kleinere Handtücher nicht fehlen: eines kann man zum Händetrocknen verwenden, für das Gesicht möchte man vielleicht ein Separates benutzen und wenn man zunächst nicht baden oder duschen kann und sich am Waschbecken reinigt, ist natürlich ein spezielles Handtuch für den Körper, insbesondere die intimeren Stellen, unverzichtbar.
Zu Zwecken der Reinigung sollte man auch einige Waschlappen einpacken und auch wenn sie ökologisch nicht ganz korrekt erscheinen: Einmal-Waschlappen sind in Bezug auf einen Klinikaufenthalt einfach ungemein praktisch.
Manchmal stellen Krankenhäuser Zahnputzgläser bereit, manchmal aber auch nicht, weswegen es generell nicht verkehrt ist, seinen Kosmetikbeutel mit einem Zahnputzbecher zu bestücken. Natürlich darf man auch Zahnbürste und Zahnpasta nicht vergessen!
Die Auswahl der Gesichts- und Körperpflegen könnte im Übrigen problematisch sein: generell sollte man nicht unbedingt auf seine Stammprodukte zurückgreifen, denn nach operativen Eingriffen ist die Haut vielleicht empfindlicher oder man reagiert auch heftiger auf Gerüche.
Wenn intensive Düfte einen Brechreiz auslösen, ist es natürlich kontraproduktiv, seine hauptsächlich genutzte Bodylotion zu verwenden, wenn diese stark riecht.
Darum sollte man auf unbeduftete Produkte zurückgreifen, die möglichst frei von Farb- und Konservierungsstoffen sind, und sich auch für sensible Haut eignen.
Produkte zur Reinigung, wie Reinigungsmilch oder Duschgel, sollten zudem rückfettend sein. Im Krankenhaus muss man keinen grossen Aufwand betreiben bzw. man sollte hier generell vermeiden, seinen Körper mit zu vielen verschiedenen Produkten zu belasten: benötigt werden sowohl ein Produkt zur Reinigung des Gesichts als auch eine zur Reinigung des Körpers, eine reichhaltige Körpermilch oder –lotion, ein Produkt zum Duschen/Baden sowie ein Deodorant.
Gegebenenfalls sollte man auch noch ein Shampoo einpacken, aber handlicher sind hier auf jeden Fall 2-in1-Produkte, die man sowohl zum Duschen als auch zum Haarewaschen verwenden kann.
Einem Kamm oder einer Bürste sollte man aber in jedem Fall etwas Platz einräumen. Ebenso sind, vor Allem für die Männer, natürlich Rasierartikel, unerlässlich.
Eingepackt in ein Gepäckstück mit Rollen sollten also werden: zwei Pyjamas oder Nachthemden, ein Jogging-/Hausanzug, zwei oder drei T-Shirts, ausreichend Unterwäsche und Strümpfe, geschlossene Hausschuhe, eine Kombination aus Pullover und Hose, ggf. Sneakers, Produkte zur Zahnreinigung, eine Reinigungsmilch, eine Gesichtscreme, Duschgel/Shampoo, Deodorant, Körperlotion, Rasiergel nebst Rasierer und natürlich eine entsprechende Anzahl an Waschlappen bzw. Handtüchern.
Als Frau empfiehlt es sich zudem, Artikel für die weibliche Hygiene einzustecken: sowohl operative Eingriffe als auch diverse Medikamente können den weiblichen Zyklus sehr beeinflussen.
Manchmal verschiebt sich die Periode komplett, zuweilen kommt es auch nur zu leichten Zwischenblutungen: in den Spitälern hält man zwar Binden für die Patientinnen bereit, diese sind allerdings zumeist sehr gross und dick und für die ganz starken Blutungen geeignet. Von daher fährt man recht gut, wenn man ein Päckchen Binden im Gepäck hat. Beim Packen einer Notfalltasche für das Krankenhaus sollte man Tampons tunlichst aussen vor lassen: denn insbesondere, wenn es zu einer solchen Art Notfall kommt, bei der die Unterleibsregion der Auslöser ist, möchte man sich aus Schmerzgründen garantiert keine Tampons einführen müssen.
Aus ähnlichen Gründen sollte man, ob Mann oder Frau, auf das Mitnehmen von allzu knapper und enger Unterwäsche verzichten.
Da die Tage im Krankenhaus doch sehr lang sein können, empfiehlt es sich, die Tasche von vornherein zumindest mit einem Rätselblock (samt Stift) oder einem Buch auszustatten. Ich habe es nun so für mich gelöst, dass diese Tasche oben auf dem Schrank steht zwar so, dass eine Aussentasche nach vorne zeigt: in dieser verwahre ich immer ein Buch, welches ich noch nicht kenne, aber als Nächstes gerne lesen würde.
Habe ich mein aktuelles Buch ausgelesen, nehme ich mir als Nächstes das „Krankenhaus-Exemplar“ vor, welches ich natürlich wiederum durch einen bisher nicht gelesenen Roman ersetze.
Für Leseratten ist diese Vorgehensweise einfach optimal.
So bin ich nun auch jederzeit gerüstet, falls es mich plötzlich in der Patienten-Rolle ins Krankenhaus verschlagen sollte und muss ggf. nur eine vertraute Person um die „Tasche links unten im Kleiderschrank und den Bademantel aus dem Badezimmer“ bitten.
Ohne Frage: angesichts zahlreicher plötzlich auftretender, akuter Erkrankungen und Notfällen ist eine jederzeit griffbereite „Kliniktasche“ nicht nur für Menschen mit schwereren chronischen Erkrankungen oder Schwangere eine praktische Sache.
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