Für die Frau - meine liebsten Sommerdüfte für Frühling und Sommer 2011
Ich bin süchtig nach Düften; meine Parfüm-Sammlung ist meiner Meinung nach noch klein und überschaubar, während Andere staunend meinen, dass ich die doch nicht alle benutzen könne und dass ich doch sicher noch nichtmals alle probiert hätte? Doch, ich habe sie alle bereits benutzt. Mehrmals. Es gibt keinen Duft in meinem Regal, den ich noch nie benutzt habe und es gibt auch keinen, den ich bislang nur einmal getragen hätte.
Während ich in Herbst und Winter eher die warmen, pudrigen Düfte bevorzuge, die mit warmen Vanille- und Mandelaromen stark an die Weihnachtsbäckerei erinnern, bin ich in der warmen Jahreszeit Fan von frischen, blumigen Düften – oder auch gerne mal etwas vollmundig Fruchtigem.
Im Folgenden möchte ich von einigen Duftwässerchen berichten, auf die ich (auch) dieses Jahr in Frühling und Sommer nicht verzichten will.
Vor einigen Jahren schwärmten plötzlich viele vom Hermès-Duft „Un jardin sur le Nil“: dieser Duft würde so riechen, wie man sich einen afrikanischen Sommer entlang des Nil-Ufers, an dem tropische Pflanzen emporwüchsen, vorstellen würde. Mich sprach das zunächst gar nicht an, da ich kurz zuvor erst eine Reportage gesehen hatte, in der der Nil als stinkende Schlammbrühe und auch entsprechend riechend dargestellt wurde, Die dort an seinen Ufern befindliche Blumenwelt wurde eher als vor sich hin faulender Komposthaufen geschildert und mit dem Nil verband ich zunächst keinerlei positive Assoziationen mehr, meine tropisch-wildromantische Vorstellungswelt war gänzlich desillusioniert und ich vermied jeglichen Kontakt mit „Un jardin sur le Nil“ von Hermès. Irgendwann traute ich mich dann aber doch, in der nächsten Parfümerie probezuschnuppern – wenn soviele es mögen, könnte es doch nicht nach Matschloch stinken? Zack, ein wenig auf das Handgelenk gesprüht: okay, aber nicht umwerfend. Der Anfangsgeruch erinnerte und erinnert mich auch heute noch an einen Pinienhain an der italienischen Adria-Küste. Nach Verlassen des Ladens roch ich noch einmal: wie würde sich der Duft entwickeln, in welche Richtung entfaltet er sich? Und plötzlich musste ich mich all den positiven, schwärmenden Stimmen anschliessen: der Pinienhain rückte in den Hintergrund bzw. plötzlich war es so, als würde man in dessen inneren Kreis hervorpirschen und dort auf ein Meer tropischer Blumen stossen.
Spaziert man durch den Botanischen Garten und flüchtet sich dann, obschon eben noch Sonnenschein an strahlend blauem Himmel herrschte, vor einem plötzlich und unerwartet einsetzenden Regenschauer ins Palmenhaus mit der umfassenden Orchideenschau: „Un jardin sur le Nil“ fängt den Duft unmittelbar nach dem Betreten ganz wunderbar ein.
„Arancia di Capri“, Acqua di Parma
Zitrusdüfte riechen zuweilen sehr nach Putzmittel und Klostein, „Arancia di Capri“ ist ein wunderbar gelungenes Gegenbeispiel: ein Duft, als ob man mit einer selbstgemachten Zitronenbrause über eine satte grüne Obstwiese wandelt, um dort die Orangenbäumchen zu pflücken, wobei man natürlich nicht widerstehen kann, auch von einer der Früchte zu kosten. Und dann kehrt man in sein Heim zurück, in dem man eben erst Mandarinenschalen im Ofen getrocknet hat.
„Arancia die Capri“ ist ein sehr schöner Duft, der vor Allem nach süssen Orangen und Mandarinen duftet und dabei nur wenig mit dem Duft von Zitronen oder auch Limetten gemein hat. Dennoch wirkt er auf der Haut fruchtig-frisch anstatt winterwarm.
Leider ist „Arancia di Capri“ ein rundherum leichter Duft, was zum Einen zwar bedeutet, dass er auf der Haut eher zart wirkt und auch, wenn man mal zuviel erwischt haben sollte, noch nicht aufdringlich wirkt, aber zum Anderen heisst dies leider auch, dass „Arancia di Capri“ für einen Duft dieser Preisklasse relativ schnell verfliegt. Ca. sechs bis acht Stunden nach dem Auftragen ist es hier doch an der Zeit, den Duft aufzufrischen, möchte man ihn auch noch den Rest des Tages auf der Haut spazieren tragen.
Angesichts des doch etwas höher angesetzten Preises sollte das auch meiner Meinung nach nicht sein. Aber ich kaufe mir „Arancia di Capri“ doch auch regelmässig nach, weil es für mich einfach ein toller Duft für die ganz heissen Tage ist, an denen ich dieses Fruchtig-Leichte sehr mag. Dieser Duft ist mir angesichts der verringerten Haltbarkeit dann aber doch zu teuer, als dass ich ihn täglich benutzen wollen würde.
"Light Clouds", Moschino
„Light Blue“ aus dem Hause Dolce & Gabbana wurde nach seinem ersten Erscheinen sofort zum Bestseller und ist inzwischen ein regelrechter Klassiker geworden. Zahlreiche Frauen schwören auf diesen Duft und kaufen ihn immer wieder nach, so dass der Klassiker gleichzeitig auch ein Allerweltsduft geworden ist.
Nicht gleich, aber ähnlich duftet Moschinos „Light Clouds“, das zudem in einem lustigen Wolken-Flakon daherkommt (in dem man in Szene-Clubs wohl auch Longdrinks servieren würde), der vermutlich eher die jüngere Generation anspricht.
Während „Light Blue“ auf frische Weise aber eher an frisch aufgeblühte Frühlingsblumen erinnert, riecht „Light Clouds“ auf nicht minder frische Weise eher nach eben erblühten Obstbäumen. Ein blumiger Hauch schimmert zwar auch hier durch, aber „Light Clouds“ riecht doch deutlich fruchtiger als „Light Blue“, dessen dezente Würzigkeit ihm auch völlig fehlt.
Aber wer „Light Blue“ mag, wird vermutlich auch „Light Clouds“ mögen (umgekehrt natürlich ebenso): für mich sind dies einfach zwei Duftgeschwister. Keine Zwillinge, aber doch von unübersehbarer Ähnlichkeit. Ich ziehe „Light Clouds“ inzwischen „Light Blue“ allerdings längst vor, da er bislang weniger Anhänger gefunden hat, wohingegen „Light Blue“ auf mich inzwischen aufgrund der grossen Beliebtheit schon nahezu ausgebrannt wirkt. „Light Clouds“ ist mein Liebling für bewölkte Tage an einem ansonsten warmen Frühlingstag.
"Taj Sunset", Escada
Bereits seit Jahren wartet Escada jährlich mit einem limitierten Sommerduft auf: in diesem Jahr dieser, im nächsten Jahr jener… wer sich in einen der Düfte verliebt, weiss von vornherein, dass diese Liebe zum Scheitern verurteilt ist und nur einen Sommer lang hält. Aus Angst, eine Liebe zu verlieren, hortet man Flakon um Flakon, kauft den Duft in verschiedenen Parfümerien, um dem peinlichen Moment zu entgegen, in der ein Verkäufer bemerkt, dass man zwanzig Fläschchen desselben Duftes kauft. Doch irgendwann neigen sich auch die gehorteten Vorräte ihrem Ende zu und es bleibt einem nichts als die Liebe letztlich doch gehen zu lassen… Was nun so sentimental klingt, ist allein die Geschichte um Escadas Sommerdüfte, denn auch wenn sie sich unterscheiden, eines haben sie alle gemeinsam: sie sind stark, sie sind deutlich, sie sind heftig, sie sind bunt… Allesamt erinnern sie an die Flower-Power-Zeit – wenn man von dem maritimen Sommerduft absieht, mit dem Escada vor einigen Jahren erst seine treuen Fans erschreckte. Ungeliebter Stilbruch.
2011 heisst der Escada-Duft der warmen Saison „Taj Sunset“: ein fruchtiger Mango-Cocktail, den man abends am weissen Sandstrand einer Insel im Indischen Ozean geniesst. Der Duft ist sehr intensiv und äusserst fruchtig, man nimmt hier ein deutliches Mango-Aroma wahr. Nun sind Mangos allerdings keine Früchte, die von Natur aus allzu intensiv und besonders süsslich duften würden. So wird man auch hier nicht vom Frucht-Geruch erschlagen und duftet weder nach Obstkorb noch nach Kaugummi mit Fruchtaromen. Zur Mango-Note gesellt sich ein natürlicher Kokosmilch-Duft. „Taj Sunset“ ist also durchaus eher tropisch-fruchtig; in unseren westlichen Breitengraden ist man diese Duftnoten sicher nicht aus dem Alltag gewohnt.
„Taj Sunset“ ist ein sehr fröhlicher Duft, den ich eher zur Party am Abend tragen würde. Als seriös empfinde ich ihn nicht, eher als feierwillig und unbeschwert.
Auch „Taj Sunset“ zeichnet sich, wie fast alle Sommerdüfte von Escada, durch eine hohe Intensität aus. Das heisst, dass ein Fläschchen auch bei täglicher Anwendung problemlos einen Sommer lang reichen sollte und gleichzeitig, dass man beim Auftragen darauf achten sollte, nicht zuviel zu erwischen. Denn „Taj Sunset“ ist ein treuer Duft: auf den Handgelenken aufgetragen, übersteht er auch ein zweimaliges Händewaschen nahezu gänzlich unbeschadet, um erst beim dritten Mal etwas von seiner Intensität zu verlieren. Hier sollte man sich auch unbedingt darauf beschränken, den Duft lediglich auf einer Hautstelle aufzutragen und nicht gleichzeitig Handgelenke, Hals, Dekolleté und Haare damit besprühen, denn dann wirkt „Taj Sunset“ sehr schnell absolut überladen und aufdringlich.
„Parfum d`Éte“, Kenzo
„Parfum d`Éte“: wenn man sich im Mai einen grossen Blumenstrauss zusammenstellen lässt, bei der man der Floristin freie Hand lässt… „Hallo, ich brauche einen Blumenstrauss, mit dem ich meine Frau zum Hochzeitstag überraschen kann. Lieblingsblumen? Weiss ich nicht. Etwas, was jetzt blüht. Binden Sie mir für 50€ einfach einen schönen, dicken, bunten Strauss!“ … dann wird das Bouquet letztlich wahrscheinlich ähnlich wie dieser Kenzo-Duft riechen.
Natürlich wurde der Strauss mit frischem Grün umrahmt und versteckt in seiner Mitte, umgeben von Margheriten und zartduftenden blassrosa Rosen, prangt eine pinke Pfingstrose und stösst ihr unnachahmliches intensives Aroma aus.
In meinen Augen und vor Allem in meiner Nase ein toller Duft für „förmlichere“, private Feierlichkeiten, welche in Frühling und Sommer fallen, wie beispielsweise Hochzeiten oder auch Taufen.
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