Brautschuh bleibt Brautschuh? Nein!
Ob es an der Geschichte Aschenputtels, für die es ohne ihren Schuh kein Happy End gegeben hätte, liegt, dass heute für viele Frauen in aller Welt Schuhe irgendwie magisch werden und Schuhläden eine unheimliche Anziehungskraft auf diese ausüben? Ich zähle im Übrigen zwar zu den Frauen ohne eine umfassende Schuhsammlung; die Anzahl der in meinem Besitz befindlichen Schuhpaare ist noch einstellig und diese reichen mir auch vollkommen aus. Als es jedoch darum ging, dass ich meinen Prinzen gefunden hatte (oder auch er mich) und wir heiraten wollten, sah ich mich dann doch mit einer Schuhfrage konfrontiert: nämlich die nach den Brautschuhen.
Nach einigen Grübeleien und wenigen Recherchen in Hochzeitsforen und auf sonstigen Seiten rund um den angeblich schönsten Tag im Leben war mir letztlich klar: Brautschuhe werden absolut überschätzt – vor Allem, wenn man ein bodenlanges Kleid trägt.
Bei einem bodenlangen Kleid sind die Schuhe nämlich so gut wie unsichtbar: klar, wenn man Treppenstufen steigt und das Kleid hierbei leicht zusammenrafft und etwas anhebt, um ein Stolpern zu vermeiden, dann blitzen die Schuhe leicht hervor. Zudem kann es sein, dass – wie in unserem Falle – der Fotograf anregt, dass die Braut einmal hochgehoben wird und man beispielsweise ein Foto macht, auf dem der Bräutigam die Braut auf Händen trägt; auch in diesen Fällen sieht man die Schuhe natürlich.
Aber dennoch ist es da müssig, sich in Sachen Brautschuhe für die hübschen Riemchensandalen zu entscheiden, deren Riemchen mit kleinen Röschen verziert sind, die besonders gut zur Stickerei des Kleides passen: denn die Riemchen werden vermutlich von niemandem gesehen.
Wer ein bodenlanges Kleid trägt, sollte viel eher auf Bequemlichkeit als auf Optik setzen: denn in seinen Brautschuhen wird man vermutlich eine lange Zeit verweilen und ggf. auch stundenlang tanzen müssen. Meine Schwägerin, begeisterter Anhänger von lateinamerikanischen Tänzen und auch Inhaberin eines entsprechenden Tanzstudios, entschied sich von daher im Vorfeld ihrer Hochzeit direkt für simple Tanzschuhe – für begeisterte Tänzerinnen sicherlich eine hervorragende Alternative zu den konventionellen Brautschuhen.
Da ich sehr gross bin und darum ohnehin nur flache Schuhe tragen konnte, da für mein Kleid sonst „Hochwasser-Alarm“ ausgerufen hätte werden müssen, habe ich mich für simple Ballerinas entschieden, im Übrigen in hellblau (da die Braut mitunter eh etwas Blaues tragen soll).
Schuhe wie Ballerinas oder auch spezielle Tanzschuhe haben einen ungeheuren Vorteil: Ballerinas kann man auch im Alltag tragen, Tanzschuhe zum Ausüben des Hobbys anziehen. Das ist nicht nur nach der Hochzeit praktisch, wenn man die Schuhe problemlos weitertragen kann, sondern auch im Vorfeld des grossen Tages: in neuen Schuhen soll man bekanntermassen nicht gleich grosse Wanderungen unternehmen und auch keine Nächte durchtanzen, sondern sie erst einmal eintragen. Mit solchen Schuhen geht das problemlos, während man mit weissen Stilettos im Alltag doch eher auffällt.
Ich habe Bräute kennengelernt, die ihre Brautschuhe zum „Einlaufen“ nur ständig in ihrer eigenen Wohnung trugen, wo sie natürlich kaum umherliefen. So hatten sie an ihrem Hochzeitstag auch relativ schnell schmerzende Füsse. Auch die neuen Brautschuhe sollte man daher im Vorfeld unbedingt ausgiebigst einlaufen und nicht nur eintragen.
Eine Freundin von mir hat ihre teuren Brautschuhe aus eben diesem Grund nur während des offiziellen Teils der Hochzeit, sprich der Trauung sowie während der anschliessenden Foto-Session, getragen und sie später auf der Feier gegen Birkenstock-Sandalen ausgetauscht, was im Übrigen niemandem auffiel. Wie gesagt: bei bodenlangen Kleidern macht man sich tatsächlich oft zuviel Gedanken um die Schuhe.
Reicht das Brautkleid nicht bis zum Boden, so dass die Schuhe weithin gut sichtbar sind, ist die Frage nach den Brautschuhen natürlich essentieller, aber auch hier sollte man die Bequemlichkeit nicht aus den Augen verlieren: wer im Alltag kaum Absatzschuhe trägt und auf diesen auch nur schwer laufen kann, sollte auch nicht unbedingt 10cm-Absätze für die Hochzeit wählen. Ohnehin ist es mit dem „auf hohen Hacken laufen können“ nicht unbedingt getan, denn wer in hohen Schuhen problemlos gehen kann, kann in diesen nicht unbedingt ohne Schwierigkeiten tanzen.
Im Allgemeinen sollte man bei seinen Schuhen auf natürliche, eher leichte Materialien achten: als Brautschuhe sind besonders Satinschuhe sehr beliebt, da sich der Satinstoff angenehm am Fuss anfühlt und Satinschuhe den grossen Vorteil haben, dass sie sich im Anschluss an die Hochzeit problemlos einfärben lassen (wie oft trägt man denn schon weisse Schuhe?).
Viele Anbieter von Brautschuhen bieten hier günstige Einfärbe-Services an, wenn man sich das Prozedere selbst nicht zutraut. Oftmals kann man hier aber auch spezielle Färbefarbe kaufen, mit denen man seine Schuhe selbst farblich verändern kann.
Alternativ kann man auch einfach Wasser und Essig-Essenz mischen und die Flüssigkeit mit einer Aquarellfarbe im Farbton seiner Wahl einfärben. Dann feuchtet man die Schuhe zunächst leicht an und trägt das „Farbessigwasser“ mit einem Schwämmchen oder einem Pinsel in schnellen Zügen auf.
Oder man nutzt simple Seidenmalfarbe, die man ebenfalls mit Schwämmchen/Pinsel aufträgt – auch hier feuchtet man die Schuhe zuvor an, damit die Farbe sich gleichmässiger verteilen lässt und keine Ränder entstehen, weil die Farbe vorne am Schuhe schon längst am Trocknen ist, während man hinten noch pinselt.
Wie gesagt: wer sich nicht traut, die hellen Satin-Schuhe selbst einzufärben, gibt dies in Auftrag – oder trägt auch bei der Hochzeit bereits Schuhe in Wunschfarbe. Meine hellblauen Ballerinas fielen so auch erst auf, als der Fotograf meinen Mann forderte, mich aufzuheben. Die meisten Gäste, die natürlich nicht anwesend waren, als diese Paar-Fotos gemacht wurden, bemerkten die Farbe der Schuhe erst später auf den entsprechenden Fotos. Eine Bekannte hatte bei ihren Schuhen das Thema ihrer Hochzeit („Frühling“, wobei die gewählten Farben weiss und grün waren) total aufgegriffen und das auch bei ihren Accessoires verwendet: so war nicht nur ihr Schuhwerk grasgrün, sondern auch der Brautbeutel sowie der Haarschmuck; auch um die Taille trug sie ein Satinband in derselben Farbe. Und gerade zu weissen Kleidern lassen sich eigentlich alle Farben sehr gut kombinieren.
In jedem Falle sollte man sich meiner Meinung nach bei der Auswahl der Brautschuhe nicht darauf versteifen, dass die Schuhe tatsächlich auch hochoffiziell als Brautschuhe deklariert sind. Von daher kann ich nur dazu raten, sich auch mal im Bereich der ganz normalen Schuhe umzuschauen, die auch festlicher erscheinen.
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